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Manchmal reagieren wir auf eine Situation und denken danach selbst: Was war das gerade? Warum bin ich so ausgerastet, erstarrt, in Tränen ausgebrochen – obwohl die Situation das eigentlich gar nicht hergab?

Genau darum geht es in der zweiten Folge von „Was in uns leise ist“. Manja und Sally sprechen über innere Kindarbeit – was das eigentlich ist, warum es nichts mit Schizophrenie oder esoterischem Hokuspokus zu tun hat, und wie viel Spaß diese Arbeit am Ende sogar machen kann.

Was ist das innere Kind eigentlich?

Vorweg, weil es oft missverstanden wird: Beim inneren Kind geht es nicht um eine zweite Persönlichkeit oder ein echtes Kind in uns. Es ist ein Name für etwas, das schwer zu greifen ist – für die Verhaltensmuster, Triggerpunkte und Reaktionen, die wir uns selbst nicht recht erklären können.

Diesem inneren Konflikt einen Namen zu geben, ihn als „mein inneres Kind, das gerade wütend, traurig oder allein ist“ zu benennen, verändert alles. Plötzlich lässt sich verstehen, was vorher nur diffus und überfordernd war.

Im therapeutischen Kontext ist die Arbeit mit inneren Anteilen schon lange etabliert. Bekannt gemacht hat das Thema im deutschsprachigen Raum vor allem Stefanie Stahl mit „Das Kind in dir muss Heimat finden“ – ein guter Einstieg, auch wenn die Arbeit mit sich selbst irgendwann an Grenzen stößt und Begleitung braucht.

Wenn die Reaktion nicht zur Situation passt

Der Einstieg in die innere Kindarbeit läuft meist über die Beobachtung des eigenen Verhaltens. Jemand schneidet einen im Straßenverkehr – und statt gelassen zu denken „der hat wohl Stress“, kommt Wut hoch, oder das Gefühl „warum immer ich?“.

Die Faustregel, die Manja beschreibt: Wenn das Nervensystem eine Reaktion zeigt, die nicht zur Situation passt, haben wir in diesem Moment keinen Zugriff auf unseren Neokortex – den Teil des Gehirns, in dem Rationalität, Kreativität und Verhaltenssteuerung sitzen. Der Körper übernimmt. Wir erstarren, zittern, bekommen Druck auf der Brust, können nicht mehr sprechen.

Wichtig dabei: Es geht nicht darum, sich „erwachsen zu benehmen“ im Sinne von Manieren. Es geht um Situationen, in denen Menschen sich selbst nicht wohlfühlen und etwas an ihrer Reaktion ändern möchten.

Friedrich Merz und das Nervensystem

Manjas Lieblingsbeispiel ist tatsächlich politisch: Wenn jemand auf Kritik nicht souverän reagiert, sondern den Mund nach vorn schiebt, die Schultern hochzieht und in Verteidigung geht, dann ist das keine erwachsene Reaktion – da übernimmt das Nervensystem, da steht der Selbstwert im Raum.

Solche Muster lassen sich bei vielen Menschen beobachten. Und die spannende Frage dahinter lautet immer: Was ist dir passiert, dass du dich so schwer damit tust?

Die verschiedenen Phasen des inneren Kindes

Innere Kindarbeit geht Hand in Hand mit Entwicklungspsychologie. Je nach Lebensphase sehen die Prägungen – und damit die späteren Reaktionen – sehr unterschiedlich aus:

Die frühkindliche Phase, noch vor der Sprache, ist die Zeit, in der zum Beispiel Geburtstraumata oder frühe Trennungserfahrungen entstehen können. Hier liegen oft tiefe Angstzustände und Erstarrung.

Die Kleinkind- und Vorschulphase ist die Zeit des genauen Beobachtens – hier lernen Kinder, Räume und Stimmungen zu lesen.

Dann folgen die Schulzeit und die Teenagerphase, die ihre ganz eigenen Prägungen mitbringen.

Statt nur kognitiv zu verstehen „dein Gehirn konnte das damals nicht“, schaut man sich in der Arbeit das konkrete Bild an: das kleine Mädchen mit der viel zu großen Schultüte und viel zu viel Verantwortung. Was hat das wohl mit ihm gemacht?

Erstarrung: Wenn das Nervensystem aufgibt

Erstarrung – das Einfrieren – liegt oft in sehr frühen Erfahrungen begründet. Manja beschreibt, wie Kinder früher (und teils auf ärztlichen Rat) nachts „durchschreien“ gelassen wurden. Heute weiß man: Diese Kinder lernen nicht, sich zu beruhigen. Sie geben auf. Das Nervensystem macht eine Art Todeserfahrung, weil niemand kommt und sich um die Bedürfnisse kümmert.

Erstarrung und Unterwerfung sind die beiden Mechanismen, in die wir fallen, wenn Lebensgefahr herrscht. Und was lebensgefährlich ist, hängt vom Alter ab: Für ein fünfjähriges Kind kann der Streit der Eltern existenziell bedrohlich wirken – nicht weil er real lebensgefährlich ist, sondern weil das kindliche Nervensystem ihn so interpretiert.

Entscheidend ist nicht, ob etwas Schwieriges passiert, sondern ob man darüber sprechen konnte. Ein Streit der Eltern traumatisiert nicht automatisch. Traumatisierend wird es, wenn ein Kind eine bedrohliche Situation erlebt und damit allein bleibt.

Wie innere Kindarbeit konkret funktioniert

Ziel der Arbeit ist es, dem inneren Anteil, der glaubt, es sei gerade etwas Schlimmes passiert, klarzumachen: Das ist vorbei. Über Meditation und Gedankenreisen geht man im Unterbewusstsein zurück und gibt der alten Erfahrung ein neues Bild.

Manjas eigenes Beispiel: Das Ursprungsbild war die Trennung von der Mutter direkt nach der Geburt. Das neue Bild ist eine Erwachsene, die das Kind im Arm hält und sagt: Ich bin da, du bist sicher. So wandert die Erfahrung aus dem traumatischen Erleben ins Langzeitgedächtnis – und die unpassende Reaktion löst sich.

Der wichtigste Schlüssel: Wie wir mit uns selbst reden

Die eigentliche Kernarbeit ist alltagstauglich und braucht keine Begleitung: Es ist die Frage, wie wir mit uns selbst sprechen.

Wir bewerten uns den ganzen Tag in Gedanken. Und oft in einer Sprache, die wir niemals gegenüber einer Freundin verwenden würden: „Da war ich wieder so dumm.“ „Ich mach immer alles falsch.“ Niemand würde einem geliebten Menschen sagen: Du bist so schusselig, du vergisst alles, mit dir kann man nicht leben.

Manjas kleiner Trick gegen die Selbstabwertung: Wenn ihr etwas runterfällt, sagt sie „Hoppla“ – bevor der innere Vorwurf kommt. Das innere Kind lacht, sie lacht. Diese Sprache zu verändern ist eine der wirksamsten Auflösungen überhaupt. Wenn sie aufhört, hört oft auch der innere Druck auf, und die Trigger werden weniger.

Eine Reise durch die Generationen

Ein längerer Abschnitt der Folge widmet sich der Prägung über Generationen hinweg: von der Silent Generation, die nach dem Krieg über nichts sprach, über die Babyboomer („Hast du gewonnen oder verloren?“) und die Millennials als hinterfragende Zwischengeneration bis zur Generation Z, die oft mit dem Gefühl aufwächst, ein Wunder zu sein – aber denen die Eltern viele Konflikte abgenommen haben.

Keine dieser Prägungen ist „gut“ oder „schlecht“. Niemand kann etwas für seine Prägung. Was es braucht, ist gegenseitiges Verständnis – und die Millennials in der Mitte, die zwischen den Extremen vermitteln können.

Bürde oder Privileg?

Sally bringt eine Meinungsverschiedenheit mit einer Freundin ein: Ist es ein Privileg, generationsübergreifende Traumata zu durchbrechen – oder eine kaum zu bewältigende Bürde?

Manjas Antwort: Es ist beides. Es ist eine Bürde zu merken, dass das Gelernte nicht weiterträgt. Und gleichzeitig ein Privileg, die Ressourcen und Möglichkeiten zu haben, etwas zu verändern, das frühere Generationen nicht hatten.

Woran erkenne ich, dass mein inneres Kind Aufmerksamkeit braucht?

Manja unterteilt in zwei Bereiche:

In der Beziehung zu mir selbst: wenn ich nicht an mein Selbstwertgefühl herankomme, ständig im Außen bin, andere glücklich mache, nicht bei mir bleiben kann. Auch körperliche Symptome, Erschöpfungs- oder Angstzustände und Süchte aller Art (Substanzen, Social Media, Shopping) können Hinweise sein.

In der Beziehung zu anderen: in der Art, wie wir uns lieben lassen und wie wir streiten. Kann ich zulassen, geliebt zu werden? Kann ich in Konflikten ruhig und lösungsorientiert bleiben – oder geht alles in Wut, Trauer oder Rückzug?

Wenn zwei innere Kinder aufeinandertreffen

In romantischen Beziehungen prallen oft zwei Bindungsängste aufeinander. Die eine Tendenz: Ich habe Angst, mich selbst zu verlieren, wenn ich zu nah bin. Die andere: Ich habe Angst, dich zu verlieren. Manja nennt das liebevoll „der Autonome und das Klammeräffchen“.

Häufig finden sich genau diese beiden Gegenpole. Und wenn es gelingt, sich miteinander einzupendeln, kann daraus eine wundervolle Verbindung entstehen. Wichtig ist: Bindungsängste heilen nur in Bindung – ob in einer Partnerschaft, einer Freundschaft oder in der Beziehung zu einer Therapeutin.

Das, was wir beim ersten Date eigentlich fragen müssten

Statt nach Hobbys, Job und Lieblingsmusik – so der augenzwinkernde Gedanke der beiden – müssten wir eigentlich fragen: Kennst du deine Kindheitstraumata, und wie aktiv arbeitest du daran, sie nicht auf andere zu projizieren? Wer da schreiend wegrennt, hätte vermutlich ohnehin nicht gepasst. Spart eine Menge Zeit.

Trauma ist nicht, was du denkst

Zum Schluss eine wichtige Einordnung: Trauma ist gesellschaftlich ein großes Wort, das viele mit Krieg und posttraumatischer Belastungsstörung verbinden. Dabei meint Trauma schlicht: Ich habe etwas zu einem Zeitpunkt erlebt, an dem mein Gehirn nicht in der Lage war, es ohne Begleitung zu verarbeiten.

Das kann der Satz eines Lehrers sein („Mit Ihren Mathekenntnissen werden Sie nie etwas“) oder die erste fremde Bezugsperson in der Krippe. Wir alle tragen viele kleine Mini-Traumata mit uns. Und innere Kindarbeit ist eine schöne, verbindende, manchmal sogar humorvolle Art, sich liebevoll darum zu kümmern – das Trauma zu beenden, statt das Drama zu wiederholen.

Denn am Ende geht es darum, mit sich selbst in Frieden zu kommen. Und wer das schafft, kann irgendwann sogar mit Friedrich Merz in Frieden sein.

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Manchmal reagieren wir auf eine Situation und denken danach selbst: Was war das gerade? Warum bin ich so ausgerastet, erstarrt, in Tränen ausgebrochen – obwohl die Situation das eigentlich gar nicht hergab?

Genau darum geht es in der zweiten Folge von „Was in uns leise ist“. Manja und Sally sprechen über innere Kindarbeit – was das eigentlich ist, warum es nichts mit Schizophrenie oder esoterischem Hokuspokus zu tun hat, und wie viel Spaß diese Arbeit am Ende sogar machen kann.

Was ist das innere Kind eigentlich?

Vorweg, weil es oft missverstanden wird: Beim inneren Kind geht es nicht um eine zweite Persönlichkeit oder ein echtes Kind in uns. Es ist ein Name für etwas, das schwer zu greifen ist – für die Verhaltensmuster, Triggerpunkte und Reaktionen, die wir uns selbst nicht recht erklären können.

Diesem inneren Konflikt einen Namen zu geben, ihn als „mein inneres Kind, das gerade wütend, traurig oder allein ist“ zu benennen, verändert alles. Plötzlich lässt sich verstehen, was vorher nur diffus und überfordernd war.

Im therapeutischen Kontext ist die Arbeit mit inneren Anteilen schon lange etabliert. Bekannt gemacht hat das Thema im deutschsprachigen Raum vor allem Stefanie Stahl mit „Das Kind in dir muss Heimat finden“ – ein guter Einstieg, auch wenn die Arbeit mit sich selbst irgendwann an Grenzen stößt und Begleitung braucht.

Wenn die Reaktion nicht zur Situation passt

Der Einstieg in die innere Kindarbeit läuft meist über die Beobachtung des eigenen Verhaltens. Jemand schneidet einen im Straßenverkehr – und statt gelassen zu denken „der hat wohl Stress“, kommt Wut hoch, oder das Gefühl „warum immer ich?“.

Die Faustregel, die Manja beschreibt: Wenn das Nervensystem eine Reaktion zeigt, die nicht zur Situation passt, haben wir in diesem Moment keinen Zugriff auf unseren Neokortex – den Teil des Gehirns, in dem Rationalität, Kreativität und Verhaltenssteuerung sitzen. Der Körper übernimmt. Wir erstarren, zittern, bekommen Druck auf der Brust, können nicht mehr sprechen.

Wichtig dabei: Es geht nicht darum, sich „erwachsen zu benehmen“ im Sinne von Manieren. Es geht um Situationen, in denen Menschen sich selbst nicht wohlfühlen und etwas an ihrer Reaktion ändern möchten.

Friedrich Merz und das Nervensystem

Manjas Lieblingsbeispiel ist tatsächlich politisch: Wenn jemand auf Kritik nicht souverän reagiert, sondern den Mund nach vorn schiebt, die Schultern hochzieht und in Verteidigung geht, dann ist das keine erwachsene Reaktion – da übernimmt das Nervensystem, da steht der Selbstwert im Raum.

Solche Muster lassen sich bei vielen Menschen beobachten. Und die spannende Frage dahinter lautet immer: Was ist dir passiert, dass du dich so schwer damit tust?

Die verschiedenen Phasen des inneren Kindes

Innere Kindarbeit geht Hand in Hand mit Entwicklungspsychologie. Je nach Lebensphase sehen die Prägungen – und damit die späteren Reaktionen – sehr unterschiedlich aus:

Die frühkindliche Phase, noch vor der Sprache, ist die Zeit, in der zum Beispiel Geburtstraumata oder frühe Trennungserfahrungen entstehen können. Hier liegen oft tiefe Angstzustände und Erstarrung.

Die Kleinkind- und Vorschulphase ist die Zeit des genauen Beobachtens – hier lernen Kinder, Räume und Stimmungen zu lesen.

Dann folgen die Schulzeit und die Teenagerphase, die ihre ganz eigenen Prägungen mitbringen.

Statt nur kognitiv zu verstehen „dein Gehirn konnte das damals nicht“, schaut man sich in der Arbeit das konkrete Bild an: das kleine Mädchen mit der viel zu großen Schultüte und viel zu viel Verantwortung. Was hat das wohl mit ihm gemacht?

Erstarrung: Wenn das Nervensystem aufgibt

Erstarrung – das Einfrieren – liegt oft in sehr frühen Erfahrungen begründet. Manja beschreibt, wie Kinder früher (und teils auf ärztlichen Rat) nachts „durchschreien“ gelassen wurden. Heute weiß man: Diese Kinder lernen nicht, sich zu beruhigen. Sie geben auf. Das Nervensystem macht eine Art Todeserfahrung, weil niemand kommt und sich um die Bedürfnisse kümmert.

Erstarrung und Unterwerfung sind die beiden Mechanismen, in die wir fallen, wenn Lebensgefahr herrscht. Und was lebensgefährlich ist, hängt vom Alter ab: Für ein fünfjähriges Kind kann der Streit der Eltern existenziell bedrohlich wirken – nicht weil er real lebensgefährlich ist, sondern weil das kindliche Nervensystem ihn so interpretiert.

Entscheidend ist nicht, ob etwas Schwieriges passiert, sondern ob man darüber sprechen konnte. Ein Streit der Eltern traumatisiert nicht automatisch. Traumatisierend wird es, wenn ein Kind eine bedrohliche Situation erlebt und damit allein bleibt.

Wie innere Kindarbeit konkret funktioniert

Ziel der Arbeit ist es, dem inneren Anteil, der glaubt, es sei gerade etwas Schlimmes passiert, klarzumachen: Das ist vorbei. Über Meditation und Gedankenreisen geht man im Unterbewusstsein zurück und gibt der alten Erfahrung ein neues Bild.

Manjas eigenes Beispiel: Das Ursprungsbild war die Trennung von der Mutter direkt nach der Geburt. Das neue Bild ist eine Erwachsene, die das Kind im Arm hält und sagt: Ich bin da, du bist sicher. So wandert die Erfahrung aus dem traumatischen Erleben ins Langzeitgedächtnis – und die unpassende Reaktion löst sich.

Der wichtigste Schlüssel: Wie wir mit uns selbst reden

Die eigentliche Kernarbeit ist alltagstauglich und braucht keine Begleitung: Es ist die Frage, wie wir mit uns selbst sprechen.

Wir bewerten uns den ganzen Tag in Gedanken. Und oft in einer Sprache, die wir niemals gegenüber einer Freundin verwenden würden: „Da war ich wieder so dumm.“ „Ich mach immer alles falsch.“ Niemand würde einem geliebten Menschen sagen: Du bist so schusselig, du vergisst alles, mit dir kann man nicht leben.

Manjas kleiner Trick gegen die Selbstabwertung: Wenn ihr etwas runterfällt, sagt sie „Hoppla“ – bevor der innere Vorwurf kommt. Das innere Kind lacht, sie lacht. Diese Sprache zu verändern ist eine der wirksamsten Auflösungen überhaupt. Wenn sie aufhört, hört oft auch der innere Druck auf, und die Trigger werden weniger.

Eine Reise durch die Generationen

Ein längerer Abschnitt der Folge widmet sich der Prägung über Generationen hinweg: von der Silent Generation, die nach dem Krieg über nichts sprach, über die Babyboomer („Hast du gewonnen oder verloren?“) und die Millennials als hinterfragende Zwischengeneration bis zur Generation Z, die oft mit dem Gefühl aufwächst, ein Wunder zu sein – aber denen die Eltern viele Konflikte abgenommen haben.

Keine dieser Prägungen ist „gut“ oder „schlecht“. Niemand kann etwas für seine Prägung. Was es braucht, ist gegenseitiges Verständnis – und die Millennials in der Mitte, die zwischen den Extremen vermitteln können.

Bürde oder Privileg?

Sally bringt eine Meinungsverschiedenheit mit einer Freundin ein: Ist es ein Privileg, generationsübergreifende Traumata zu durchbrechen – oder eine kaum zu bewältigende Bürde?

Manjas Antwort: Es ist beides. Es ist eine Bürde zu merken, dass das Gelernte nicht weiterträgt. Und gleichzeitig ein Privileg, die Ressourcen und Möglichkeiten zu haben, etwas zu verändern, das frühere Generationen nicht hatten.

Woran erkenne ich, dass mein inneres Kind Aufmerksamkeit braucht?

Manja unterteilt in zwei Bereiche:

In der Beziehung zu mir selbst: wenn ich nicht an mein Selbstwertgefühl herankomme, ständig im Außen bin, andere glücklich mache, nicht bei mir bleiben kann. Auch körperliche Symptome, Erschöpfungs- oder Angstzustände und Süchte aller Art (Substanzen, Social Media, Shopping) können Hinweise sein.

In der Beziehung zu anderen: in der Art, wie wir uns lieben lassen und wie wir streiten. Kann ich zulassen, geliebt zu werden? Kann ich in Konflikten ruhig und lösungsorientiert bleiben – oder geht alles in Wut, Trauer oder Rückzug?

Wenn zwei innere Kinder aufeinandertreffen

In romantischen Beziehungen prallen oft zwei Bindungsängste aufeinander. Die eine Tendenz: Ich habe Angst, mich selbst zu verlieren, wenn ich zu nah bin. Die andere: Ich habe Angst, dich zu verlieren. Manja nennt das liebevoll „der Autonome und das Klammeräffchen“.

Häufig finden sich genau diese beiden Gegenpole. Und wenn es gelingt, sich miteinander einzupendeln, kann daraus eine wundervolle Verbindung entstehen. Wichtig ist: Bindungsängste heilen nur in Bindung – ob in einer Partnerschaft, einer Freundschaft oder in der Beziehung zu einer Therapeutin.

Das, was wir beim ersten Date eigentlich fragen müssten

Statt nach Hobbys, Job und Lieblingsmusik – so der augenzwinkernde Gedanke der beiden – müssten wir eigentlich fragen: Kennst du deine Kindheitstraumata, und wie aktiv arbeitest du daran, sie nicht auf andere zu projizieren? Wer da schreiend wegrennt, hätte vermutlich ohnehin nicht gepasst. Spart eine Menge Zeit.

Trauma ist nicht, was du denkst

Zum Schluss eine wichtige Einordnung: Trauma ist gesellschaftlich ein großes Wort, das viele mit Krieg und posttraumatischer Belastungsstörung verbinden. Dabei meint Trauma schlicht: Ich habe etwas zu einem Zeitpunkt erlebt, an dem mein Gehirn nicht in der Lage war, es ohne Begleitung zu verarbeiten.

Das kann der Satz eines Lehrers sein („Mit Ihren Mathekenntnissen werden Sie nie etwas“) oder die erste fremde Bezugsperson in der Krippe. Wir alle tragen viele kleine Mini-Traumata mit uns. Und innere Kindarbeit ist eine schöne, verbindende, manchmal sogar humorvolle Art, sich liebevoll darum zu kümmern – das Trauma zu beenden, statt das Drama zu wiederholen.

Denn am Ende geht es darum, mit sich selbst in Frieden zu kommen. Und wer das schafft, kann irgendwann sogar mit Friedrich Merz in Frieden sein.

Ihre Manja Neundorf

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