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Weitere Informationen

Euer Feedback zur Bindungsfolge war so stark, dass wir gleich weitermachen: Diesmal geht es darum, was passiert, wenn wir in Bindung sind. Denn die Bindungsangst verschwindet ja nicht einfach, wenn wir uns für einen Menschen entschieden haben – sie zieht mit ein. Und sie meldet sich in jeder Phase der Beziehung anders: beim Kennenlernen, beim Zusammenziehen, bei der Hochzeit und ganz besonders, wenn ein Kind kommt.

Bindungsangst verschwindet nicht – sie wohnt mit

Die meisten Menschen mit Bindungsangst sind in Bindung. Und das ist okay: Auch Bindungsangst ist nur ein Gefühl, das mal präsenter ist und mal leiser in der Ecke sitzt. Sie muss nicht immer Bindung verhindern – aber sie begleitet uns, und es lohnt sich zu verstehen, wann und wie sie sich zeigt.

„Der will nicht so richtig“ – warum Unverfügbarkeit so anziehend ist

Bevor überhaupt Bindung entsteht, kennen viele diese Phase: Man lernt jemanden kennen, der irgendwie will – aber auch irgendwie nicht. Mal da, mal weg. Und genau das macht es so schwer loszulassen.

Was da wirkt, ist keine Liebe, sondern eine Hormonlage: Dopamin, Adrenalin, ein bisschen Oxytocin. Etwas, das nicht zur Verfügung steht, ist für unser Nervensystem hochinteressant – wie der rosa Elefant, an den wir nicht denken sollen. Dazu kommt das, was Manja das „Leistungsprinzip-Selbstwertgefühl“ nennt: Ich werde diejenige sein, die es schafft, diesen Menschen in Bindung zu bringen.

Echtes Selbstwertgefühl würde schon im ersten Schritt sagen: Da steht jemand nicht zur Verfügung – das ist nicht gut genug für mich.

Die entscheidende Frage: Steht die Person überhaupt zur Verfügung?

Wenn Menschen unbedingt mit jemandem in Bindung sein wollen, stellt Manja eine einfache Frage: Steht diese Person überhaupt für eine Bindung zur Verfügung? Die ehrliche Antwort ist erstaunlich oft: Nein.

Damit wäre der Fall eigentlich geschlossen. Wenn wir trotzdem weitermachen, ist meist ein altes Thema am Werk – eine der häufigsten Traumafolgen überhaupt: der Versuch, eine schwierige, nicht verfügbare Person davon zu überzeugen, uns zu lieben. Meist steckt dahinter ein Mangel aus der Kindheit, eine Vernachlässigungs- oder Aufmerksamkeitswunde, die wir als Erwachsene noch einmal heilen wollen.

Affären: Warum alle drei ein Thema mit Nähe haben

Ein Gedanke aus der Folge, der zum Nachdenken anregt: In einer klassischen Affären-Konstellation – feste monogame Beziehung, einer sucht sich im Außen eine Zweitbeziehung – haben alle drei Beteiligten ein Thema mit Nähe. Auch die Person, die sich auf jemanden einlässt, der nicht zur Verfügung steht.

Wichtig dabei, und das betonen wir ausdrücklich: Es geht nie um Schuld. Für den Vertrauensbruch selbst ist allein die Person verantwortlich, die ihn begeht. Aber dafür, dass in der Beziehung davor nicht genug Bindung da war, sind statistisch gesehen immer beide verantwortlich. Das anzuerkennen ist schwer – aber nur so lässt sich das eigentliche Bindungsthema lösen.

Mixed Messages: „Ich hab doch gesagt, dass ich nichts will“

Ein Satz, den Manja immer wieder hört – und bei dem sie deutlich wird: Wer einmal sagt „ich stehe für keine Beziehung zur Verfügung“, dann aber regelmäßig körperliche Nähe anbietet, sich stundenweise interessiert und Raum für Verbindung schafft, sendet gemischte Botschaften.

Biologisch kommt dazu: Frauen schütten in der Sexualität Oxytocin aus – das Bindungshormon. Männer bauen Testosteron ab. Wer das weiß und trotzdem sagt „ich bin ja nicht für ihre Gefühle verantwortlich“, macht es sich zu leicht. In der Selbstverantwortung mag „ich habe es einmal gesagt“ reichen. In der Beziehungsverantwortung ist es ziemlich schwach. Erwachsene Bindung hieße: nach jeder Intimität wieder fragen – wie geht es dir damit? Müssen wir über etwas sprechen?

Warum toxische Konstellationen wie eine Droge wirken

Wir Menschen haben sechs Grundbedürfnisse: Sicherheit, Abwechslung, Bedeutsamkeit (dieses Gefühl, besonders zu sein), Liebe und Verbindung, Wachstum und das Bedürfnis, etwas zurückzugeben.

Und jetzt wird es spannend: Eine On-Off-Konstellation mit einem unverfügbaren Menschen erfüllt gleich drei davon. Abwechslung – unberechenbarer geht es nicht. Bedeutsamkeit – ich bin ja die Person, die es immer wieder schafft, diesen bindungsunwilligen Menschen kurz in Bindung zu bringen. Und Verbindung – zumindest für die selektiven paar Stunden.

Drei erfüllte Grundbedürfnisse wirken wie eine Droge. Deshalb bleiben Menschen jahrelang in Mustern, die ihnen nicht guttun. Die Frage ist nie „Warum kann ich nicht aufhören?“, sondern: Welche Grundbedürfnisse erfüllt mir das gerade – und wo bekomme ich sie gesünder erfüllt?

Stufe zwei: Wenn aus Kennenlernen Bindung wird

Echte Bindung beginnt, wenn Sicherheit dazukommt – wenn zwei sich entscheiden: Wir wollen zusammen sein. Und genau diese erste Phase, in der man sich noch brennend füreinander interessiert, ist der beste Moment, um den Beziehungsrahmen zu gestalten: Was bedeutet für uns Vertrauen? Wie streiten wir? Welche Kompromisse gehen wir ein? Wie stehen wir zu Finanzen, Zusammenleben, Kindern?

Liebe kann bedingungslos sein – eine Beziehung braucht trotzdem einen gemeinsamen Rahmen. Viele Paare verpassen diese Phase, weil sie sich so schön anfühlt. Dabei legt man genau hier den Grundstein für alles, was später kommt.

Manjas Buchtipp für diese Phase: „Acht Gespräche, die jedes Paar führen sollte“ von den Gottmans – ein sehr praktisches Arbeitsbuch mit Checklisten und Gesprächsanfängen zu Geld, Vertrauen, Streitkultur und mehr.

Für Beratung gibt es keinen falschen Zeitpunkt

Die meisten holen sich erst Hilfe, wenn es richtig brennt. Dabei wäre die Frage eher: Wo sonst sollen wir lernen, wie Bindung geht? Es gibt kein Schulfach „Gefühle, Bindung und Beziehung“. Unsere Vorbilder sind Disney- und Hollywood-Filme, die mit dem Happy End aufhören – über das, was danach kommt, erzählt fast niemand. Selbst im Freundeskreis sitzen die wenigsten Paare ehrlich beieinander und sagen: Bei uns läuft es gerade richtig schlecht, wie ist das bei euch?

Beratung ist keine Bankrotterklärung. Sie ist Bildung.

Die 5:1-Regel

Eine Zahl aus der Paarforschung der Gottmans, die hängen bleibt: Eine einzige negative Interaktion – ein abfälliger Kommentar, ein böser Blick, einmal Nörgeln – braucht etwa fünf positive Interaktionen, damit die Beziehung glücklich bleibt. Wer im Dauer-Nörgel-Modus ist, kann das Konto kaum noch ausgleichen.

Wenn ein Kind kommt: Die Beziehung, die nie wieder trennbar ist

Ein gemeinsames Kind verändert alles – aus zwei Gründen. Erstens: Eine Paarbeziehung kann ich immer beenden. Die Elternbeziehung nicht. Ich werde für den Rest meines Lebens Mutter oder Vater dieses Kindes sein, egal was mit der Paarbeziehung passiert.

Und zweitens: All die kindlichen Bedürfnisse, die wir noch mit in die Partnerschaft genommen haben, „ballern jetzt richtig durch“. Denn plötzlich gibt es ein wirklich bedürftiges Kind in dieser Familie – und das ist das geborene Kind, nicht mein inneres.

Auch die Bindungsstile verschieben sich in die Elternrolle: Der ängstliche Typ ruft „Vorsicht! Fall nicht hin!“. Der vermeidende Typ flüchtet in die Arbeit – „ich bring lieber das Geld nach Hause, da fühl ich mich sicherer“.

„Männer haben einfach keinen Bock“ – eine Fehlinterpretation

Sally spricht an, was viele beobachten: Väter, die wenig proaktiv sind, wenig mit dem Kind spielen, sich rausziehen. Ist das Desinteresse?

Manjas klare Antwort: Nein – das ist fast immer Überforderung. Wo ist denn das Vorbild für die Vaterrolle? Der eigene Vater. Und der war in den meisten Fällen arbeiten, nicht auf dem Spielteppich. Diese Generation von Vätern hinterfragt gerade zum ersten Mal Muster, für die es keine Vorlage gibt. Dazu kommt die Prägung „Männer reden nicht über Gefühle“ – sich einzugestehen, dass man mit der Vaterrolle überfordert ist, und darüber zu sprechen, ist eine echte Hürde.

Das entbindet niemanden von der Verantwortung: Jeder Vater und jede Mutter ist selbst dafür verantwortlich, sich zu reflektieren. Aber jeder Mensch muss dabei etwas anderes überwinden – Scham, Schuld, Angst, finanzielle oder gesellschaftliche Hürden. Und es hilft, das gegenseitig anzuerkennen.

Kritisieren oder empowern? Der Teamgedanke

Ein Bild aus der Folge, das bleibt: Es funktioniert nie, wenn der Torhüter aus dem Tor schreit, wann der Stürmer denn endlich den Elfmeter reinschießen will.

Übersetzt: Wenn der Papa das Kind zum ersten Mal ins Bett bringt und es dabei Tränen und Unsicherheit gibt, ist schnelles Eingreifen und Korrigieren („mach mal so, das ist doch falsch“) Gift. Empowerment heißt: Du wirst es rausfinden. Mach es auf deine Weise. Ich vertraue dir – ich bin mal weg.

Paare scheitern in dieser Phase übrigens fast nie daran, dass sie sich nicht lieben. Sie scheitern daran, dass sie ihre Probleme nicht lösen können – an der fehlenden Streitkultur, nicht an der fehlenden Liebe.

Was in der Paarberatung passiert

In der Beratung spricht Manja meist mit einer Person, während die andere nur zuhört – interessiert bleiben ist die einzige Aufgabe. Über Fragen wie „Woher kommt eigentlich Ihr Ordnungsthema? Was bedeutet Sauberkeit für Sie? Wo ist Ihre Toleranzgrenze?“ wird sichtbar, welche Prägung hinter welchem Bedürfnis steckt – und wo der Kompromiss liegt.

Ihre Aufgabe dabei: darauf achten, dass nicht einer den anderen komplett auf seine Seite zieht. Denn es gibt auch eine Bindungsangst, die sich pausenlos anpasst – und dann wohnen Menschen fünf Jahre in einer Wohnung, in der sie nie wohnen wollten, und der Partner fällt aus allen Wolken, als es endlich ausgesprochen wird.

Das eine Thema, das nicht verhandelbar ist

Bei fast allem lässt sich ein Kompromiss finden – Stadt oder Land kann man abwechseln, Aufgaben kann man teilen. Aber es gibt kein halbes Kind. Wenn einer einen Kinderwunsch hat und der andere nicht, scheitert die Beziehung irgendwann. Nicht sofort – aber irgendwann sitzt jemand da und sagt: Wegen dir habe ich kein Kind bekommen. Und das kann niemand ausgleichen.

Manchmal ist die reifste Entscheidung, sich zu trennen, obwohl man sich liebt. Denn eine Liebesgeschichte muss nicht immer eine Lebensgeschichte sein. Eine bewusste Entscheidung kann ich aber nur treffen, wenn ich mir bewusst geworden bin, wie wichtig mir etwas ist.

Das größte Geschenk

Manchmal lässt Manja Paare sich einfach gegenübersitzen und anschauen. Und dann sagt sie nur: Machen Sie sich kurz klar, dass Sie sich gerade das größte Geschenk machen, das man einem Menschen machen kann.

Denn nichts anderes ist Paarberatung: die Bereitschaft, bei sich selbst zu schauen, damit es gemeinsam funktioniert. Nicht den anderen reparieren wollen – sondern einen Schritt zurücktreten und fragen: Was kann ich verändern? Das ist, aus Manjas Sicht, fast die größte Form von Liebe.

Gerade in der Rush Hour des Lebens – Kinder, Beruf, alternde Eltern, Verantwortung an allen Ecken – braucht es Räume, in denen man einfach nur Paar sein darf. Ohne quakendes Kind, ohne piepende Waschmaschine, ohne klingelndes Handy.

Und das Schönste? Manchmal kommen Paare nicht, weil etwas kaputt ist. Sondern weil sie in den nächsten Schritt gehen und vorher hinschauen wollen. Da geht Manja das Herz auf.

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Standard. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Weitere Informationen

Euer Feedback zur Bindungsfolge war so stark, dass wir gleich weitermachen: Diesmal geht es darum, was passiert, wenn wir in Bindung sind. Denn die Bindungsangst verschwindet ja nicht einfach, wenn wir uns für einen Menschen entschieden haben – sie zieht mit ein. Und sie meldet sich in jeder Phase der Beziehung anders: beim Kennenlernen, beim Zusammenziehen, bei der Hochzeit und ganz besonders, wenn ein Kind kommt.

Bindungsangst verschwindet nicht – sie wohnt mit

Die meisten Menschen mit Bindungsangst sind in Bindung. Und das ist okay: Auch Bindungsangst ist nur ein Gefühl, das mal präsenter ist und mal leiser in der Ecke sitzt. Sie muss nicht immer Bindung verhindern – aber sie begleitet uns, und es lohnt sich zu verstehen, wann und wie sie sich zeigt.

„Der will nicht so richtig“ – warum Unverfügbarkeit so anziehend ist

Bevor überhaupt Bindung entsteht, kennen viele diese Phase: Man lernt jemanden kennen, der irgendwie will – aber auch irgendwie nicht. Mal da, mal weg. Und genau das macht es so schwer loszulassen.

Was da wirkt, ist keine Liebe, sondern eine Hormonlage: Dopamin, Adrenalin, ein bisschen Oxytocin. Etwas, das nicht zur Verfügung steht, ist für unser Nervensystem hochinteressant – wie der rosa Elefant, an den wir nicht denken sollen. Dazu kommt das, was Manja das „Leistungsprinzip-Selbstwertgefühl“ nennt: Ich werde diejenige sein, die es schafft, diesen Menschen in Bindung zu bringen.

Echtes Selbstwertgefühl würde schon im ersten Schritt sagen: Da steht jemand nicht zur Verfügung – das ist nicht gut genug für mich.

Die entscheidende Frage: Steht die Person überhaupt zur Verfügung?

Wenn Menschen unbedingt mit jemandem in Bindung sein wollen, stellt Manja eine einfache Frage: Steht diese Person überhaupt für eine Bindung zur Verfügung? Die ehrliche Antwort ist erstaunlich oft: Nein.

Damit wäre der Fall eigentlich geschlossen. Wenn wir trotzdem weitermachen, ist meist ein altes Thema am Werk – eine der häufigsten Traumafolgen überhaupt: der Versuch, eine schwierige, nicht verfügbare Person davon zu überzeugen, uns zu lieben. Meist steckt dahinter ein Mangel aus der Kindheit, eine Vernachlässigungs- oder Aufmerksamkeitswunde, die wir als Erwachsene noch einmal heilen wollen.

Affären: Warum alle drei ein Thema mit Nähe haben

Ein Gedanke aus der Folge, der zum Nachdenken anregt: In einer klassischen Affären-Konstellation – feste monogame Beziehung, einer sucht sich im Außen eine Zweitbeziehung – haben alle drei Beteiligten ein Thema mit Nähe. Auch die Person, die sich auf jemanden einlässt, der nicht zur Verfügung steht.

Wichtig dabei, und das betonen wir ausdrücklich: Es geht nie um Schuld. Für den Vertrauensbruch selbst ist allein die Person verantwortlich, die ihn begeht. Aber dafür, dass in der Beziehung davor nicht genug Bindung da war, sind statistisch gesehen immer beide verantwortlich. Das anzuerkennen ist schwer – aber nur so lässt sich das eigentliche Bindungsthema lösen.

Mixed Messages: „Ich hab doch gesagt, dass ich nichts will“

Ein Satz, den Manja immer wieder hört – und bei dem sie deutlich wird: Wer einmal sagt „ich stehe für keine Beziehung zur Verfügung“, dann aber regelmäßig körperliche Nähe anbietet, sich stundenweise interessiert und Raum für Verbindung schafft, sendet gemischte Botschaften.

Biologisch kommt dazu: Frauen schütten in der Sexualität Oxytocin aus – das Bindungshormon. Männer bauen Testosteron ab. Wer das weiß und trotzdem sagt „ich bin ja nicht für ihre Gefühle verantwortlich“, macht es sich zu leicht. In der Selbstverantwortung mag „ich habe es einmal gesagt“ reichen. In der Beziehungsverantwortung ist es ziemlich schwach. Erwachsene Bindung hieße: nach jeder Intimität wieder fragen – wie geht es dir damit? Müssen wir über etwas sprechen?

Warum toxische Konstellationen wie eine Droge wirken

Wir Menschen haben sechs Grundbedürfnisse: Sicherheit, Abwechslung, Bedeutsamkeit (dieses Gefühl, besonders zu sein), Liebe und Verbindung, Wachstum und das Bedürfnis, etwas zurückzugeben.

Und jetzt wird es spannend: Eine On-Off-Konstellation mit einem unverfügbaren Menschen erfüllt gleich drei davon. Abwechslung – unberechenbarer geht es nicht. Bedeutsamkeit – ich bin ja die Person, die es immer wieder schafft, diesen bindungsunwilligen Menschen kurz in Bindung zu bringen. Und Verbindung – zumindest für die selektiven paar Stunden.

Drei erfüllte Grundbedürfnisse wirken wie eine Droge. Deshalb bleiben Menschen jahrelang in Mustern, die ihnen nicht guttun. Die Frage ist nie „Warum kann ich nicht aufhören?“, sondern: Welche Grundbedürfnisse erfüllt mir das gerade – und wo bekomme ich sie gesünder erfüllt?

Stufe zwei: Wenn aus Kennenlernen Bindung wird

Echte Bindung beginnt, wenn Sicherheit dazukommt – wenn zwei sich entscheiden: Wir wollen zusammen sein. Und genau diese erste Phase, in der man sich noch brennend füreinander interessiert, ist der beste Moment, um den Beziehungsrahmen zu gestalten: Was bedeutet für uns Vertrauen? Wie streiten wir? Welche Kompromisse gehen wir ein? Wie stehen wir zu Finanzen, Zusammenleben, Kindern?

Liebe kann bedingungslos sein – eine Beziehung braucht trotzdem einen gemeinsamen Rahmen. Viele Paare verpassen diese Phase, weil sie sich so schön anfühlt. Dabei legt man genau hier den Grundstein für alles, was später kommt.

Manjas Buchtipp für diese Phase: „Acht Gespräche, die jedes Paar führen sollte“ von den Gottmans – ein sehr praktisches Arbeitsbuch mit Checklisten und Gesprächsanfängen zu Geld, Vertrauen, Streitkultur und mehr.

Für Beratung gibt es keinen falschen Zeitpunkt

Die meisten holen sich erst Hilfe, wenn es richtig brennt. Dabei wäre die Frage eher: Wo sonst sollen wir lernen, wie Bindung geht? Es gibt kein Schulfach „Gefühle, Bindung und Beziehung“. Unsere Vorbilder sind Disney- und Hollywood-Filme, die mit dem Happy End aufhören – über das, was danach kommt, erzählt fast niemand. Selbst im Freundeskreis sitzen die wenigsten Paare ehrlich beieinander und sagen: Bei uns läuft es gerade richtig schlecht, wie ist das bei euch?

Beratung ist keine Bankrotterklärung. Sie ist Bildung.

Die 5:1-Regel

Eine Zahl aus der Paarforschung der Gottmans, die hängen bleibt: Eine einzige negative Interaktion – ein abfälliger Kommentar, ein böser Blick, einmal Nörgeln – braucht etwa fünf positive Interaktionen, damit die Beziehung glücklich bleibt. Wer im Dauer-Nörgel-Modus ist, kann das Konto kaum noch ausgleichen.

Wenn ein Kind kommt: Die Beziehung, die nie wieder trennbar ist

Ein gemeinsames Kind verändert alles – aus zwei Gründen. Erstens: Eine Paarbeziehung kann ich immer beenden. Die Elternbeziehung nicht. Ich werde für den Rest meines Lebens Mutter oder Vater dieses Kindes sein, egal was mit der Paarbeziehung passiert.

Und zweitens: All die kindlichen Bedürfnisse, die wir noch mit in die Partnerschaft genommen haben, „ballern jetzt richtig durch“. Denn plötzlich gibt es ein wirklich bedürftiges Kind in dieser Familie – und das ist das geborene Kind, nicht mein inneres.

Auch die Bindungsstile verschieben sich in die Elternrolle: Der ängstliche Typ ruft „Vorsicht! Fall nicht hin!“. Der vermeidende Typ flüchtet in die Arbeit – „ich bring lieber das Geld nach Hause, da fühl ich mich sicherer“.

„Männer haben einfach keinen Bock“ – eine Fehlinterpretation

Sally spricht an, was viele beobachten: Väter, die wenig proaktiv sind, wenig mit dem Kind spielen, sich rausziehen. Ist das Desinteresse?

Manjas klare Antwort: Nein – das ist fast immer Überforderung. Wo ist denn das Vorbild für die Vaterrolle? Der eigene Vater. Und der war in den meisten Fällen arbeiten, nicht auf dem Spielteppich. Diese Generation von Vätern hinterfragt gerade zum ersten Mal Muster, für die es keine Vorlage gibt. Dazu kommt die Prägung „Männer reden nicht über Gefühle“ – sich einzugestehen, dass man mit der Vaterrolle überfordert ist, und darüber zu sprechen, ist eine echte Hürde.

Das entbindet niemanden von der Verantwortung: Jeder Vater und jede Mutter ist selbst dafür verantwortlich, sich zu reflektieren. Aber jeder Mensch muss dabei etwas anderes überwinden – Scham, Schuld, Angst, finanzielle oder gesellschaftliche Hürden. Und es hilft, das gegenseitig anzuerkennen.

Kritisieren oder empowern? Der Teamgedanke

Ein Bild aus der Folge, das bleibt: Es funktioniert nie, wenn der Torhüter aus dem Tor schreit, wann der Stürmer denn endlich den Elfmeter reinschießen will.

Übersetzt: Wenn der Papa das Kind zum ersten Mal ins Bett bringt und es dabei Tränen und Unsicherheit gibt, ist schnelles Eingreifen und Korrigieren („mach mal so, das ist doch falsch“) Gift. Empowerment heißt: Du wirst es rausfinden. Mach es auf deine Weise. Ich vertraue dir – ich bin mal weg.

Paare scheitern in dieser Phase übrigens fast nie daran, dass sie sich nicht lieben. Sie scheitern daran, dass sie ihre Probleme nicht lösen können – an der fehlenden Streitkultur, nicht an der fehlenden Liebe.

Was in der Paarberatung passiert

In der Beratung spricht Manja meist mit einer Person, während die andere nur zuhört – interessiert bleiben ist die einzige Aufgabe. Über Fragen wie „Woher kommt eigentlich Ihr Ordnungsthema? Was bedeutet Sauberkeit für Sie? Wo ist Ihre Toleranzgrenze?“ wird sichtbar, welche Prägung hinter welchem Bedürfnis steckt – und wo der Kompromiss liegt.

Ihre Aufgabe dabei: darauf achten, dass nicht einer den anderen komplett auf seine Seite zieht. Denn es gibt auch eine Bindungsangst, die sich pausenlos anpasst – und dann wohnen Menschen fünf Jahre in einer Wohnung, in der sie nie wohnen wollten, und der Partner fällt aus allen Wolken, als es endlich ausgesprochen wird.

Das eine Thema, das nicht verhandelbar ist

Bei fast allem lässt sich ein Kompromiss finden – Stadt oder Land kann man abwechseln, Aufgaben kann man teilen. Aber es gibt kein halbes Kind. Wenn einer einen Kinderwunsch hat und der andere nicht, scheitert die Beziehung irgendwann. Nicht sofort – aber irgendwann sitzt jemand da und sagt: Wegen dir habe ich kein Kind bekommen. Und das kann niemand ausgleichen.

Manchmal ist die reifste Entscheidung, sich zu trennen, obwohl man sich liebt. Denn eine Liebesgeschichte muss nicht immer eine Lebensgeschichte sein. Eine bewusste Entscheidung kann ich aber nur treffen, wenn ich mir bewusst geworden bin, wie wichtig mir etwas ist.

Das größte Geschenk

Manchmal lässt Manja Paare sich einfach gegenübersitzen und anschauen. Und dann sagt sie nur: Machen Sie sich kurz klar, dass Sie sich gerade das größte Geschenk machen, das man einem Menschen machen kann.

Denn nichts anderes ist Paarberatung: die Bereitschaft, bei sich selbst zu schauen, damit es gemeinsam funktioniert. Nicht den anderen reparieren wollen – sondern einen Schritt zurücktreten und fragen: Was kann ich verändern? Das ist, aus Manjas Sicht, fast die größte Form von Liebe.

Gerade in der Rush Hour des Lebens – Kinder, Beruf, alternde Eltern, Verantwortung an allen Ecken – braucht es Räume, in denen man einfach nur Paar sein darf. Ohne quakendes Kind, ohne piepende Waschmaschine, ohne klingelndes Handy.

Und das Schönste? Manchmal kommen Paare nicht, weil etwas kaputt ist. Sondern weil sie in den nächsten Schritt gehen und vorher hinschauen wollen. Da geht Manja das Herz auf.

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