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Weitere Informationen

Manchmal beginnt eine Folge mit einer Freundin in einer Bar. Sie hat Liebeskummer, lähmende Trauer – und man sitzt daneben und weiß nicht, was man sagen soll. Genau da steigen wir ein: bei der Frage, wie wir Menschen begleiten, denen es schlecht geht. Und landen über Umwege bei echten Gefühlen, Pseudogefühlen und einem ziemlich lebhaften Streitgespräch über Self Care.

Was sagt man, wenn jemand Liebeskummer hat?

Die ehrliche Antwort: Es gibt ihn nicht, diesen einen erlösenden Satz. Und „er kommt bestimmt zurück“ ist sogar das Gegenteil von hilfreich – weil er ein Trauergefühl mit einem Hoffnungsgefühl überdeckt und den Prozess unterbricht, der eigentlich stattfinden muss.

Was hilft, ist viel schlichter: zuhören, nicken, das Gefühl da sein lassen. Trauer, Wut, Verzweiflung, sogar wieder aufflackernde Hoffnung – alles darf raus. Denn wenn ein Gefühl nicht sein darf, bleibt es stecken.

Die bessere Frage: „Was brauchst du gerade?“

Statt im eigenen Kopf zu suchen, was dem anderen jetzt helfen könnte, kann man einfach fragen: Was brauchst du gerade? Wie kann ich für dich da sein? Vielleicht sogar ehrlich dazu: „Ich merke, ich will dir unbedingt helfen – aber sag mir lieber, was du brauchst.“

Das nimmt den Druck von beiden. Und es hilft dem Gegenüber, sich selbst zu helfen, statt auf den perfekten Satz zu warten, den es ohnehin nicht gibt.

Kleine Zeitfenster statt „Wie geht’s dir?“

Ein konkreter Tipp aus der Folge: Menschen in Trauer nicht fragen „Wie geht’s dir?“ – das ist zu groß, und es schwingt die Erwartung mit, dass es einem jetzt bitte besser gehen möge. Besser sind kleine Abschnitte: Wie war gestern Nacht? Wie bist du heute Morgen aufgewacht? In Trauer dehnt sich die Zeit, und kleine Fenster lassen sich leichter erzählen.

Warum wir uns nicht trauen zu fragen

Wir vermeiden Trauer – als Gesellschaft, als Freundeskreis. Bloß nicht ansprechen, bloß nichts hochholen. Dabei ist es fast immer keine böse Absicht, sondern die Angst vor der eigenen Hilflosigkeit: Was, wenn ich frage und der andere fängt an zu weinen – was mache ich dann?

Sally erzählt, wie sehr sie es nach dem Tod ihres Hundes verletzt hat, dass viele sie nicht gefragt haben – obwohl die Trauer wie ein Elefant im Raum stand. Und wie sie seitdem selbst mutiger fragt. Einmal sprach sie einen Freund direkt auf den Tod seiner Mutter an – er redete eine Stunde. Weil endlich jemand fragte.

Der Trauerkalender

Ein Gedanke, der vielen weiterhelfen kann: Trauer funktioniert wie ein Kalender. Jahr für Jahr meldet sich die Zeit körperlich zurück, in der wir einen Verlust erlebt haben – oft ohne dass wir zunächst wissen, warum es uns gerade schlecht geht. Wer im November regelmäßig in ein Tief rutscht, hat vielleicht in einem November einen Menschen verloren.

Manja erlebt das mit ihrer verstorbenen Hündin – zwei Jahre später, in denselben Wochen, wieder. Und ertappt sich beim Schamgefühl: „Ich müsste doch längst durch sein.“ Muss man aber nicht. Trauer hat keinen Ablaufplan.

Was Kinder in der Trauer brauchen (und was Erwachsene nachholen dürfen)

Kinder werden in Trauer oft schlecht begleitet – nicht aus Lieblosigkeit, sondern weil Eltern schwer aushalten, dass es dem Kind schlecht geht. „Du brauchst nicht traurig sein“ verstärkt das Gefühl nur, weil beim Kind ankommt: Mein Gefühl ist falsch.

Was hilft, ist Erzählen: Was vermisst du an Opa? Was war die schönste Erinnerung? Über das Sprechen wird Trauer verarbeitet, statt drinzubleiben. Und es hilft, eine bleibende Verbindung zu finden – einen Stern, ein Ritual –, weil die Verbindung ja nicht weg ist. Sie ist in uns.

Gefühle sind wie Wellen

Ein Gefühl kommt und geht, wenn es da sein darf. Prallt es aber gegen eine Wand – darf nicht sein –, kommt es immer wieder. Die Aufgabe von Eltern (und von uns allen) ist deshalb nicht, das Gefühl wegzumachen, sondern geduldig zu bleiben und beim Regulieren zu helfen.

Und ein wichtiger Punkt: Erst muss ich mich selbst regulieren, bevor ich jemand anderen regulieren kann. „Unregulierte Eltern versuchen, unregulierte Kinder zu regulieren“ – oder eine aufgelöste Freundin versucht, der Freundin im Liebeskummer zu helfen. Erst bei sich selbst ankommen.

Gefühle benennen lernen – mit den Tools der Kinder

Den meisten von uns hat niemand beigebracht, Gefühle zu erkennen, zu benennen und zu regulieren. Manja empfiehlt, sich ausgerechnet bei den Werkzeugen der Kinder zu bedienen: Gefühlskarten, Gefühlsmonster, ein Gefühlsrad mit den dahinterliegenden Bedürfnissen. Oder ein kleines Gefühlstagebuch – welches Gefühl war heute da, in welcher Situation, wie bin ich damit umgegangen?

Der Aha-Moment: „Enttäuscht“ ist kein Gefühl

Jetzt wird’s spannend. Es gibt echte Gefühle – und Pseudogefühle. „Ich bin enttäuscht“ ist keins. „Ich bin verletzt“, „ich bin eifersüchtig“ auch nicht. Das sind versteckte Schuldzuweisungen: Du hast mich enttäuscht. Du hast mich verletzt.

Die eigentliche Frage lautet: Welches echte Gefühl steckt dahinter? Bin ich traurig, wütend, einsam, unsicher? Pseudogefühle zeigen immer auf den anderen – und ersparen uns, uns selbst zu offenbaren. Genau deshalb bringen sie eine Beziehung nicht voran.

Ich-Botschaft statt Du-Botschaft

Wie es besser geht, zeigt Manja am Beispiel Eifersucht. Statt „Du machst mich eifersüchtig“ (Du-Botschaft) beschreibt man erst die Situation auf der Sachebene – „Du hast dich fünf Minuten mit dieser Frau unterhalten“ –, benennt dann das echte Gefühl – „ich merke, ich werde unsicher“ – und formuliert das Bedürfnis: „Ich glaube, ich brauche Informationen. Kannst du mir helfen, das einzuordnen?“

Das erfordert Verletzlichkeit. Aber: Wer voll in der Ich-Botschaft bleibt, bekommt meist Empathie zurück. Wer mit der Du-Botschaft startet, bekommt eine Du-Botschaft zurück. Und diese Herausforderung, über Gefühle zu sprechen, ist für alle Geschlechter gleich groß.

Und dann: Feminismus, Zuhören und Self Care

Wie das in echten Gesprächen läuft, zeigt Manjas Geschichte aus einem Achtsamkeitshotel an der Nordsee. Sie diskutiert mit Frauen über das Patriarchat, ein älterer Mann schaut immer wieder herüber – und sie projiziert sofort: Der nimmt uns nicht ernst. Zwei Tage später kommt er auf sie zu: Er habe mitgehört, es interessiere ihn wirklich, ob sie es ihm erklären könne.

Er hört zu. Und fasst am Ende selbst zusammen: Dann ist es also die Aufgabe von uns Männern, zuzuhören, Sicherheit anzubieten und Raum zu geben, damit Frauen wieder gehört werden. Es ist möglich, dass Männer es verstehen – wenn die Haltung stimmt.

Daraus zieht Manja zwei Schlüsse. Erstens: Choose your battles. Niemand muss es dem einundsiebzigsten desinteressierten Mann auch noch erklären – Erschöpfung ist erlaubt. Zweitens, und hier sind sich Sally und Manja herrlich uneinig: Vielleicht wären wir wirksamer, wenn Frauen einander stärken und Männer sich untereinander korrigieren, statt dass Frauen sich am Erklären aufreiben.

Und dann das Reizthema Self Care. Manjas steile These: Industrielle Self Care – Cremes, Kosmetik, Mode – ist ein Kind des Patriarchats, kein ursprüngliches weibliches Bedürfnis. Ursprüngliche Selbstfürsorge wäre: gemeinsam in die Natur, Verbindung, über Gefühle reden. Sally hält dagegen – vieles tue man eben doch für sich selbst, aus Freude, nicht für Männerblicke. Eine Debatte, die bewusst offen bleibt.

Das Schlusswort

Von Trauer über Pseudogefühle bis zum Patriarchat – am Ende landet alles beim selben Punkt: Lasst uns einander zuhören. Ob jemand Liebeskummer hat oder wir gesellschaftliche Strukturen verstehen wollen – es geht nur, wenn wir zuhören. Und das bedeutet auch: Wer gehört werden will, muss sich zeigen.

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Manchmal beginnt eine Folge mit einer Freundin in einer Bar. Sie hat Liebeskummer, lähmende Trauer – und man sitzt daneben und weiß nicht, was man sagen soll. Genau da steigen wir ein: bei der Frage, wie wir Menschen begleiten, denen es schlecht geht. Und landen über Umwege bei echten Gefühlen, Pseudogefühlen und einem ziemlich lebhaften Streitgespräch über Self Care.

Was sagt man, wenn jemand Liebeskummer hat?

Die ehrliche Antwort: Es gibt ihn nicht, diesen einen erlösenden Satz. Und „er kommt bestimmt zurück“ ist sogar das Gegenteil von hilfreich – weil er ein Trauergefühl mit einem Hoffnungsgefühl überdeckt und den Prozess unterbricht, der eigentlich stattfinden muss.

Was hilft, ist viel schlichter: zuhören, nicken, das Gefühl da sein lassen. Trauer, Wut, Verzweiflung, sogar wieder aufflackernde Hoffnung – alles darf raus. Denn wenn ein Gefühl nicht sein darf, bleibt es stecken.

Die bessere Frage: „Was brauchst du gerade?“

Statt im eigenen Kopf zu suchen, was dem anderen jetzt helfen könnte, kann man einfach fragen: Was brauchst du gerade? Wie kann ich für dich da sein? Vielleicht sogar ehrlich dazu: „Ich merke, ich will dir unbedingt helfen – aber sag mir lieber, was du brauchst.“

Das nimmt den Druck von beiden. Und es hilft dem Gegenüber, sich selbst zu helfen, statt auf den perfekten Satz zu warten, den es ohnehin nicht gibt.

Kleine Zeitfenster statt „Wie geht’s dir?“

Ein konkreter Tipp aus der Folge: Menschen in Trauer nicht fragen „Wie geht’s dir?“ – das ist zu groß, und es schwingt die Erwartung mit, dass es einem jetzt bitte besser gehen möge. Besser sind kleine Abschnitte: Wie war gestern Nacht? Wie bist du heute Morgen aufgewacht? In Trauer dehnt sich die Zeit, und kleine Fenster lassen sich leichter erzählen.

Warum wir uns nicht trauen zu fragen

Wir vermeiden Trauer – als Gesellschaft, als Freundeskreis. Bloß nicht ansprechen, bloß nichts hochholen. Dabei ist es fast immer keine böse Absicht, sondern die Angst vor der eigenen Hilflosigkeit: Was, wenn ich frage und der andere fängt an zu weinen – was mache ich dann?

Sally erzählt, wie sehr sie es nach dem Tod ihres Hundes verletzt hat, dass viele sie nicht gefragt haben – obwohl die Trauer wie ein Elefant im Raum stand. Und wie sie seitdem selbst mutiger fragt. Einmal sprach sie einen Freund direkt auf den Tod seiner Mutter an – er redete eine Stunde. Weil endlich jemand fragte.

Der Trauerkalender

Ein Gedanke, der vielen weiterhelfen kann: Trauer funktioniert wie ein Kalender. Jahr für Jahr meldet sich die Zeit körperlich zurück, in der wir einen Verlust erlebt haben – oft ohne dass wir zunächst wissen, warum es uns gerade schlecht geht. Wer im November regelmäßig in ein Tief rutscht, hat vielleicht in einem November einen Menschen verloren.

Manja erlebt das mit ihrer verstorbenen Hündin – zwei Jahre später, in denselben Wochen, wieder. Und ertappt sich beim Schamgefühl: „Ich müsste doch längst durch sein.“ Muss man aber nicht. Trauer hat keinen Ablaufplan.

Was Kinder in der Trauer brauchen (und was Erwachsene nachholen dürfen)

Kinder werden in Trauer oft schlecht begleitet – nicht aus Lieblosigkeit, sondern weil Eltern schwer aushalten, dass es dem Kind schlecht geht. „Du brauchst nicht traurig sein“ verstärkt das Gefühl nur, weil beim Kind ankommt: Mein Gefühl ist falsch.

Was hilft, ist Erzählen: Was vermisst du an Opa? Was war die schönste Erinnerung? Über das Sprechen wird Trauer verarbeitet, statt drinzubleiben. Und es hilft, eine bleibende Verbindung zu finden – einen Stern, ein Ritual –, weil die Verbindung ja nicht weg ist. Sie ist in uns.

Gefühle sind wie Wellen

Ein Gefühl kommt und geht, wenn es da sein darf. Prallt es aber gegen eine Wand – darf nicht sein –, kommt es immer wieder. Die Aufgabe von Eltern (und von uns allen) ist deshalb nicht, das Gefühl wegzumachen, sondern geduldig zu bleiben und beim Regulieren zu helfen.

Und ein wichtiger Punkt: Erst muss ich mich selbst regulieren, bevor ich jemand anderen regulieren kann. „Unregulierte Eltern versuchen, unregulierte Kinder zu regulieren“ – oder eine aufgelöste Freundin versucht, der Freundin im Liebeskummer zu helfen. Erst bei sich selbst ankommen.

Gefühle benennen lernen – mit den Tools der Kinder

Den meisten von uns hat niemand beigebracht, Gefühle zu erkennen, zu benennen und zu regulieren. Manja empfiehlt, sich ausgerechnet bei den Werkzeugen der Kinder zu bedienen: Gefühlskarten, Gefühlsmonster, ein Gefühlsrad mit den dahinterliegenden Bedürfnissen. Oder ein kleines Gefühlstagebuch – welches Gefühl war heute da, in welcher Situation, wie bin ich damit umgegangen?

Der Aha-Moment: „Enttäuscht“ ist kein Gefühl

Jetzt wird’s spannend. Es gibt echte Gefühle – und Pseudogefühle. „Ich bin enttäuscht“ ist keins. „Ich bin verletzt“, „ich bin eifersüchtig“ auch nicht. Das sind versteckte Schuldzuweisungen: Du hast mich enttäuscht. Du hast mich verletzt.

Die eigentliche Frage lautet: Welches echte Gefühl steckt dahinter? Bin ich traurig, wütend, einsam, unsicher? Pseudogefühle zeigen immer auf den anderen – und ersparen uns, uns selbst zu offenbaren. Genau deshalb bringen sie eine Beziehung nicht voran.

Ich-Botschaft statt Du-Botschaft

Wie es besser geht, zeigt Manja am Beispiel Eifersucht. Statt „Du machst mich eifersüchtig“ (Du-Botschaft) beschreibt man erst die Situation auf der Sachebene – „Du hast dich fünf Minuten mit dieser Frau unterhalten“ –, benennt dann das echte Gefühl – „ich merke, ich werde unsicher“ – und formuliert das Bedürfnis: „Ich glaube, ich brauche Informationen. Kannst du mir helfen, das einzuordnen?“

Das erfordert Verletzlichkeit. Aber: Wer voll in der Ich-Botschaft bleibt, bekommt meist Empathie zurück. Wer mit der Du-Botschaft startet, bekommt eine Du-Botschaft zurück. Und diese Herausforderung, über Gefühle zu sprechen, ist für alle Geschlechter gleich groß.

Und dann: Feminismus, Zuhören und Self Care

Wie das in echten Gesprächen läuft, zeigt Manjas Geschichte aus einem Achtsamkeitshotel an der Nordsee. Sie diskutiert mit Frauen über das Patriarchat, ein älterer Mann schaut immer wieder herüber – und sie projiziert sofort: Der nimmt uns nicht ernst. Zwei Tage später kommt er auf sie zu: Er habe mitgehört, es interessiere ihn wirklich, ob sie es ihm erklären könne.

Er hört zu. Und fasst am Ende selbst zusammen: Dann ist es also die Aufgabe von uns Männern, zuzuhören, Sicherheit anzubieten und Raum zu geben, damit Frauen wieder gehört werden. Es ist möglich, dass Männer es verstehen – wenn die Haltung stimmt.

Daraus zieht Manja zwei Schlüsse. Erstens: Choose your battles. Niemand muss es dem einundsiebzigsten desinteressierten Mann auch noch erklären – Erschöpfung ist erlaubt. Zweitens, und hier sind sich Sally und Manja herrlich uneinig: Vielleicht wären wir wirksamer, wenn Frauen einander stärken und Männer sich untereinander korrigieren, statt dass Frauen sich am Erklären aufreiben.

Und dann das Reizthema Self Care. Manjas steile These: Industrielle Self Care – Cremes, Kosmetik, Mode – ist ein Kind des Patriarchats, kein ursprüngliches weibliches Bedürfnis. Ursprüngliche Selbstfürsorge wäre: gemeinsam in die Natur, Verbindung, über Gefühle reden. Sally hält dagegen – vieles tue man eben doch für sich selbst, aus Freude, nicht für Männerblicke. Eine Debatte, die bewusst offen bleibt.

Das Schlusswort

Von Trauer über Pseudogefühle bis zum Patriarchat – am Ende landet alles beim selben Punkt: Lasst uns einander zuhören. Ob jemand Liebeskummer hat oder wir gesellschaftliche Strukturen verstehen wollen – es geht nur, wenn wir zuhören. Und das bedeutet auch: Wer gehört werden will, muss sich zeigen.

Ihre Manja Neundorf

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